Ermutigung

Ermutigung als supervisorische Interventions­strategie

Das Interventionskonzept der Ermutigung in der individualpsycholo­gischen Beratung, Therapie und Supervision zählt zum zentralen Wir­kungsfaktor. Adler machte die Ermutigung zur „wichtigste(n) Formel, die wir zur Verfügung haben“ (Adler, 1974; 36).
Der Auftrieb, den jemand erhält, seine Schwierigkeiten und Fragestellun­gen eigenverantwortlich und in konstruktiver Weise zu klären, geschieht innerhalb eines komplexen Vorgangs, der aufgrund seiner phänomenolo­gischen Wirksamkeit auch als die Kunst des Ermutigens bezeichnet wird.

Konkreter bestimmt Antoch mit einer umfassenden Definition den Begriff ›Ermutigung‹:

»Ermutigung ist derjenige Kooperationsprozeß, der zwischen zwei Perso­nen in Gang kommen kann, wenn der eine zur Lösung eines für ihn allein nicht lösbar scheinenden Problems die Hilfe eines anderen in Anspruch nimmt. Jeder Versuch der Ermutigung hat die Voraussetzung, daß sich die Kooperationspartner trotz ihrer verschiedenen Funktionen in diesem Pro­zeß als prinzipiell gleichwertig verstehen und daß der Partner in der Hilfs­funktion die Lösung nicht mit von außen herangetragenen Mitteln, sondern im wesentlichen mit Mitteln und Motivationen vorantreibt, die er bei sei­nem Gegenüber vorfindet und belebt. Ein Ermutigungsversuch ist erfolg­reich verlaufen, wenn der Betroffene das Problem aus einer erweiterten Einsicht in die eigenen Wünsche und Vorstellungen, in Sachnotwendig­keiten und in die Forderungen seiner sozialen Umwelt einer für ihn und seine Umwelt sachgerechten Lösung zuführen kann« (Antoch, 1981; 145).

Nächster Abschnitt —> Die Ermutigungssituation in der Supervision