Grundsätze und Formulierungshilfen

Grundsätze und Hilfen zur Formulierung

Auch wenn die Ermutigung in der Individualpsychologie durchgängig als eine unspezifische Methode bezeichnet wird, haben Berater und Thera­peuten immer wieder versucht, sie konkreter zu fassen. So habe ich in der Ausbildung zur Beraterin viele Anregungen für die Handhabung erhalten und trainiert. In der individualpsychologischen Literatur findet sich eine Vielzahl von Postulaten, die verbunden mit den oben angeführten Voraus­setzungen zur Ermutigung beitragen sollen. Nachfolgend werden einige dieser Postulate aufgeführt, verbunden mit Formulierungshilfen für ermu­tigende Äußerungen, die zwar zum Zwecke der Demonstration aus dem jeweiligen Kontext gelöst worden sind, aber dennoch einen Einblick ver­mitteln.

Ermutigung – Formulierungshilfen

  • stärkt die eigenen Interessen, ohne die Rechte anderer zu beeinträchtigen:
    “Wie kannst Du Deinen Wunsch so zum Ausdruck bringen, dass Dich Deine Kollegen anhören?”
  • setzt erreichbare Ziele und konzentriert sich auf die Bemühung, die jemand unternimmt, Ziele anzustreben:
    “Wie viel von dieser Aufgabe traust Du Dir zu, bis zur nächsten Supervisionsstunde in Angriff zu nehmen?”
  • stellt sich auf Fortschritt ein und legt keinen Nachdruck auf die Vergangenheit und vermeidet, sich fortwährend die Unzulänglichkeiten zu vergegenwärtigen. Mögliche Formulierungshilfen könnten lauten:
    “Ja, natürlich, Du hast einen Fehler gemacht. Daran können wir aber nichts mehr ändern, aber Du kannst für die Zukunft daraus lernen. Was würdest Du besser machen wollen? Und wie könntest Du es erreichen?”
  • hilft dem Supervisanden, Entlastung zu spüren:
    “Gibt es jemanden in Deinem Team, den Du bitten könntest, sich an dieser Aufgabe zu beteiligen?”
  • eröffnet neue Handlungsmöglichkeiten:
    “Hast Du eine Idee, was Dir helfen könnte, Deine jetzige Arbeitsbelastung abzubauen?”
  • fordert ständige Wachsamkeit des Supervisors für den richtigen Augenblick, Tonfall und Wortwahl:
    “Magst Du uns erzählen, was Dich jetzt so traurig macht?”
  • betont und verstärkt die positiven Ansätze:
    “Du gibst Dir viel Mühe, einen geeigneten Heimplatz für die alte Frau zu finden!”
  • fördert die Einsicht, dass man nicht fehlerlos sein kann:
    “Ich schlage vor, dass wir uns in unserer nächsten Supervisionssitzung darüber austauschen, wie diese neue Regelung sich bewährt hat. Vielleicht zeigt die praktische Erfahrung, dass wir Einzelheiten überdenken sollten; vielleicht haben wir eine Idee gefunden, die weiter praktiziert werden kann.”
  • bleibt in den Bildern des Supervisanden:
    “Du sagst, wenn Du Deinem Kollegen begegnest, siehst Du schon rot! Was ist es, dass Dich in Alarmbereitschaft versetzt?“
  • beginnt mit der Strukturierung des Unstrukturierten:
    “Ja, es stimmt! Beim ersten Hinhören klingt Deine Schilderung recht chaotisch! Wollen wir gemeinsam strukturieren? Womit möchtest Du beginnen?”
  • baut auf Stärken auf:
    “Was glaubst Du, welche Deiner Fähigkeiten Dir geholfen haben, in so kurzer Zeit, Mitarbeiter für diese neue Aufgabe zu gewinnen?”
  • steigert das Selbstwertgefühl und zielt darauf ab, dem Supervisanden ein Gefühl der Selbstachtung, Leistungsfähigkeit und Selbständigkeit zu geben:
    “Ich bin sicher, Du kannst dieses Problem lösen, aber wenn Du Hilfe brauchst, weißt Du, wo Du mich erreichen kannst.”
  • hilft, die innere Kraft und den Mut zu finden, Schwierigkeiten zu meistern:
    “Gibt es für Dich noch etwas zu klären, um gut vor bereitet in diese Situation zu gehen?”
  • fördert die Zufriedenheit mit sich selbst:
    “Wichtig ist, dass es Dir Spaß macht!”

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